Tagebucheintrag Nr 4 – Wie es weiter ging

11. September 2015

 Vorab zur Vorwahrnung, dieser Eintrag wird lang, denn es ist nicht nur viel Zeit vergangen, es ist auch viel passiert. Aber von vorne…

In meinem letzten Beitrag habe ich davon berichtet, dass wir in der Warteschleife sind und dann mit dem Pillenzyklus beginnen können. Gesagt – getan, ich habe dann im Februar 1 Monat die Pille genommen, auch wenn ich mich damit überhaupt nicht wohl fühlte. So viele Hormone schon zu Beginn aber unser Ziel hatten wir ja vor Augen – der Startschuss für das Projekt: ICSI Geschwisterkind.

ICSI Vorbereitungen:

Bevor wir überhaupt mit der Behandlung begonnen, haben mein Mann und ich die Krankenkasse gewechselt. Somit wurden 100% der Kosten übernommen. Mit Behandlungsplan kamen auch die Rezepte aus der Kinderwunschklinik. Nach ein paar Telefonaten, war schnell eine Apotheke gefunden, die eine so genannte Abtretungsvereinbarung mit uns geschlossen hat. Somit hatten wir auch keine Vorabkosten für die Medis, da diese direkt mit der Krankenkasse abrechnen konnte.

 ICSI Start

Als erstes habe ich meine Medikamente geholt und einen ziemlichen Schock bekommen. So viele Spritzen – da wusste ich aber auch noch nicht, dass diese gar nicht reichen sollten.


Kurze Erklärung der Medis:

Gonal F: Stimulation der Follikel, dass genügend Eizellen heranreifen. Das sind die einzelnen Spritzen auf dem 1. Bild – tägliche Gabe – Beginn waren 225 IE (Einheiten). Wir haben bewusst keinen pen genommen, da wir nie wussten ob Alles gespritzt wurde und daher lieber die Spritzen.

 Cetrotide: Verhinderung des Eisprungs – 1 Spritze täglich zum Ende der Stimulationsphase

Brevactid: Spritze zum auslösen des Eisprungs und später zweite Einheit zur Unterstützung der Einnistung

Ich habe also mit 225 IE begonnen und die ersten Tage jeden Morgen mir von meinem Mann die Spritze geben lassen. Nach ein paar Tagen ist ein leichtes Druckgefühl in den Eierstöcken bemerkbar. Während der gesamten Stiumulation musste ich öfter zum Frauenarzt, der geschaut hat wie viele Follikel sich bilden und welche Größe diese erreicht haben. Beim zweiten Ultraschall war er nicht wirklich zufrieden und hat Rücksprache mit der Kinderwunschklinik gehalten. Ich wurde gefragt ob wir abbrechen wollen, denn es sind max. 4 Follikel da und Keiner weiß, ob diese auch Eizellen enthalten. Ich habe kurz überlegt und mir gedacht, nein, ich nehme nicht die ganzen Hormone um abzubrechen. Also weiter machen. Die Einheiten wurden erhöht auf 300 IE, nächste Kontrolle in drei Tagen. Nach drei Tagen waren 5 Follikel zu sehen, wieder Rücksprache, wieder die Frage ob ich abbrechen möchte. Seiner Einschätzung nach werden es max. 3 Eizellen und die müssen auch noch reif sein. Punktion dann nächste Woche. Ich habe wieder gesagt, nein wir machen weiter. Das Gonal F und das Cetrotide hat dann nicht gereicht und ich musste nachordern.

In dieser Zeit habe ich mich immer so gefühlt, als ob Jemand ständig fragt: „Bist Du dir sicher? Möchtest Du wirklich jetzt ein Geschwisterchen?“ Ich habe innerlich immer gewusst, ja – wir machen weiter und egal welche Hürden noch kommen – wir ziehen das durch. Das da noch so einige Hürden kommen – hätten wir niemals gedacht.

Am 12.3.2015 war es dann soweit – die Follikelpunktion. Ich habe mich gegen eine Vollnarkose entschieden und für eine Sedierung. Das bedeutet, dass man teilweise ansprechbar ist und nur einen kurzen Moment einschläft. Hinterher ist man schnell wieder auf den Beinen. Mein Mann durfte dabei sein. Sensationell – es konnten dank der langen Stimulation 8 Eizellen entnommen werden.

Ich habe meinen KIWU Doc noch gefragt wie hoch die Gefahr einer Überstimulation ist und er meinte, bei 8 Eizellen nicht zu erwarten. Von den 8 Eizellen waren alle reif und sechs haben sich befruchten lassen – ein klasse Ergebnis.

Transfertag

Nach Rücksprache mit dem Doc haben wir uns dazu entschieden über 400 Euro selbst zu bezahlen, um die Eizellen zur Blastozyste weiter zu kultivieren, um unsere Chancen zu steigern das es beim ersten Mal direkt klappt. Das bedeutet auch, dass der Transfer erst am 5. Tag nach der Eizellenentnahme statt findet. Normalerweise wird an Tag 3 transferiert. Die Eizellen befinden sich dann im Sechs- oder Achtzellerstadium. Die Weiterkultivierung zur Blastozyste wird hauptsächlich im Ausland angewandt. Es heißt das es nicht jede Eizelle überhaupt bis in das Blastostadium schafft, allerdings habe ich auch gehört, dass es nicht gesagt ist, dass diese Eizelle es im Körper nicht geschafft hätte. Da wir aber die Chancen maximieren wollten haben wir das einfach ausprobiert.


Auf dem Bild sind die Blastozysten zu sehen, die wir zurück erhalten haben. Oben handelt es sich um eine so genannte „expandierte“ – dieses Stadium ist kurz vor dem schlüpfen und einnisten der Eizelle.

Die Untere ist noch nicht ganz so weit und auf dem Bild im Übergang von der Morula zur expandierten Blastozyste.

 Warteschleife:
Nach dem Transfer sind wir wieder nach Hause gefahren – von jetzt an heißt es abwarten und jeden Tag vaginal Utrogest nehmen. Weiterhin wird am nächsten Tag noch die zweite Spritze Brevactid gegeben, um die Einnistung zu unterstützen. Der Bluttest steht dann ca. 10 Tage nach dem Transfer an, bei einem Embryotransfer nach drei Tagen ca. nach 14 Tagen der Bluttest.

In den 10 Tagen ging es mir soweit ganz gut. Allerdings hatte ich bisschen mit Bauchweh zu kämpfen, habe mir dabei aber nix weiter gedacht. Einen Tag vor dem Termin beim Frauenarzt haben wir dann einen Schwangerschaftstest gewagt. Was soll ich sagen – dieser war direkt positiv 🙂 Wir haben uns sooo gefreut.

Beim Frauenarzt wurde mir dann Blut abgenommen und in das Lobor geschickt. Dieses Mal möchte ich unbeingt den HCG Wert wissen, denn die Gefahr von Zwillingen ist bei einem Blastozystentransfer erhöht. Davor hatten mein Mann und ich sehr viel Angst, denn wir wollten immer zwei Kinder und mir selbst schwirrten Gedanken durch den Kopf wie: oh gott mit Zwillingen – dann drei Kinder, was das kostet, ob meine Kaiserschnittnarbe hält, die körperliche Belastung, noch mehr Gewicht (habe ja nicht schon genug usw..). Der Frauenarzt hat dann auch einen Ultraschall gemacht und festgestellt, dass sich sehr viel Wasser gebildet hat, nämlich genau an den Stellen, wo die Follikel abgesaugt wurden. Das ist zum Teil normal, sollte aber nicht ausufern. Dann wird von Überstimulation gesprochen, Wasseransammlung im Bauchraum, Atemenot bis hin zu Lungenproblemen und stationärer KH Aufenthalt. Er wollte mich in einer Woche wieder sehen, vielleicht lässt sich dann eine Fruchthöhle entdecken. Wenn ich durch die FG eines gelernt habe, schwanger sein heißt nicht schwanger bleiben.

 Nach 2 Tagen stand ich erneut auf der Matte. Ich bin ja eher immer überinformiert und habe innerhalb von einigen Tagen mehr als 6 kg zugenommen. Mein Bauch war hart und ich habe schlechter Luft bekommen. Außerdem konnte ich vor Schmerzen kaum laufen. Also erneut Ultraschall – Wasser im Bauchraum. Viel trinken und schonen – mein FA meinte das ist ein sehr sehr gutes Zeichen, dass verschwindet nach einiger Zeit von alleine. Da ich ja wie gesagt immer gut informiert bin wusste ich – Überstimulation! Na toll, also viel Eiweiß essen und trinken, trinken, trinken. Ich wusste aber auch, wenn ich schwanger bin, dann verschwindet das Ganze erst nach der 12. SSW. Egal, wieder eine Hürde – ich will das – wir schaffen das.

 Nach ein paar Tagen habe ich in der Kinderwunschklinik angerufen ob das Blutergebnis vorliegt. Nein, wir melden uns. Am Nachmittag dann der ersehnte Anruf: Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger – der HCG liegt bei 300! Wir haben es geschafft! 1. ICSI postiv!

 Ich habe also aufgelegt und gedacht, oha – 300 ist ja schon ein ganz schön hoher Wert, hoffentlich keine Zwillinge.

 Schwangerschaftsverlauf

Da soviel passiert ist – der Schwangerschaftsverlauf bis heute in Stichpunkten bzw. nach Wochen

  6 SSW Fruchthöhle und Dottersack darstellbar

 8 SSW Herzschlag und Embryo ist erkennbar – da ist noch ein zweiter Herzschlag aber kein Embryo und keine Fruchthöhle zu sehen

10 SSW Émbryo zeitgerecht entwickelt – zweiter Herzschlag noch immer da, sehr sehr kleine zweite Fruchthöhle. Stellen Sie sich auf ein Kind ein.

12 SSW Mein Mann und ich beim Doc. Zwei Fruchthöhlen – zwei Herzschläge – eine immernoch sehr viel kleiner – ZWILLINGE!

Mittlerweile ist es auch für uns auf dem Ultraschall erkennbar, da sind tatsächlich zwei. Der Doc macht sich Sorgen, weil er erst drei Fälle in seiner Laufbahn erlebt hat, wo die Fruchthöhlen so unterschiedlich sind. Er klärt uns auf das es Alles und nix heißen kann. Von Trisomie bis der Zweite stirbt während der nächsten Woche oder es geht Alles gut. Nackenfaltenmessung war bei Beiden unauffällig. Überweisung nach Hannover zum Feinultraschall. Mittlerweile mache ich mir sehr viel Sorgen weil wir schon so weit gekommen sind.

15 SSW Feinultraschall in Hannover. Beide Kinder unauffällig, ein baby wesentlich kleiner aber es sind zweieiige Zwillinge, ein Jungeund ein Mädchen. Wir sollen uns keine Sorgen machen – alles gut, hat er öfter nach ICSI. Mir laufen die Tränen vor Freude – wir bekommen tatsächlich Zwillinge.

18 SSW 3 D Ultraschall bei einem anderen Feindiagnostiker auf eigenen Wunsch. Größenunterschied 7 cm aber Beide scheinen gesund zu sein.

24 SSW Erneuter Ultraschall bei dem Feindiagnostiker. Beide ca. gleich groß und in der Norm. Alles ist gut. Zwischendurch Vorsorge beim Frauenarzt. Er meinte wenn er uns jetzt das erste Mal sehen würde, dann würde er denken Zwillinge, alles ok.

 Heute bin ich in der 29 SSW – wie es mir geht und wie die Schwangerschaft weiter verläuft werde ich ab sofort regelmäßig in meinem Blog schreiben. Bis zum heutigen Tag haben wir einiges durchgemacht. Wir freuen uns auf die Beiden sehr und ich hoffe das ich möglichst lange durchhalte. Es ist schon sehr anstrengend geworden und ich habe noch immer viele Ängste vor der Geburt, das ich ins KH muss usw.. Mehr dazu später.

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