Ein Geschwisterchen für den Großen. Tagebucheintrag Nr. 1 – Unsere Kindewunschgeschichte 2014

06.01.2015

Tagebucheintrag Nr. 1 – Spätabort in der 16 SSW und die Zeit danach

Wir haben bereits einen Sohn. Dieser ist im April 2013 nach der zweiten ICSI Behandlung im Kinderwunschzentrum Bad Münder und in Zusammenarbeit mit meinem wirklich sehr guten Frauenarzt gesund und munter per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen. Wir haben eine ICSI Behandlung aufgrund des schlechten Spermiogrammes von meinem Mann machen müssen. Drei Urologen haben uns bestätigt das es keinen anderen Weg geben wird und wir lieber Lotto spielen sollten, als das wir auf normalen Weg Kinder bekommen könnten. Im Oktober 2014 hielt ich dann unerwartet einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen. Wir konnten es gar nicht glauben, denn ich hatte bereits seit mind. 1 Woche Schmierblutungen und bin immer davon ausgegangen, dass die Regel bald einsetzten wird – was sie aber nicht tat. Also sind wir zum Frauenarzt zum Ultraschall gefahren. Er sagte zu mir: „Sie sind schwanger aber ich kann noch nicht sagen ob die Schwangerschaft intakt ist.“ Ungläubich sind wir wieder nach Hause gefahren. Drei Wochen vorher hatten wir unsere neu geplante ICSI abgesagt, nachdem wir bereits den Behandlungsplan und erste Rezepte zu Hause hatten. Wir haben uns entschieden noch zu warten bis unser Sohnemann zumindest zwei Jahre alt ist – und jetzt – bin ich spontan schwanger geworden. Unglaublich!

Leider hielt das Glück nur bis zur 15+1 SSW. Bis dahin war im Ultraschall immer alles ok gewesen. Ich selbst habe mir allerdings Sorgen gemacht, denn bei jedem Termin waren wir im Wachstum hinterher. Mal vier Tage, mal sechs Tage und dann wieder vier Tage. Beim Ersttrimesterscreening bei 13+0 SSW hatte das baby eine Größe von 5,7 cm und entsprach somit einem Wert von 12+2 SSW. Unser Frauenarzt fand das unbedenklich, da wir nicht wussten, wann genau ich meine Regel gehabt habe. Generell ging es mir in der Schwangerschaft ganz anders als bei der von unserem Sohnemann. Mir war ständig übel mit erbrechen, Kopfschmerzen, ziehen im Unterleib – besonders schlimm bei ruckartigen Bewegungen und ich hatte das Gefühl das ich körperlich an Grenzen komme. Ich war einfach müde und kaputt. Dazu noch eine Erkältung und in den ersten Wochen bräunlicher Ausfluss (bestimmt über 4 Wochen) und ständig Sorgen das irgendetwas nicht stimmen könnte – vielleicht hatte ich schon unterbewusst eine Vorahnung. Das hat mich alles sehr beunruhigt und nach dem screening sollte unser nächster Termin erst am 07. Januar 2015 sein. Ich weiß nicht warum aber irgendwie habe ich dann versucht einen 3D Ultraschall zu organisieren – zum einen weil ich gehofft habe eine andere Arztmeinung zu bekommen (wegen der Größe) und zum anderen wollten wir Omas und Opas mit dem Geschlecht überraschen. Wie das Leben aber so spielt, gab es vor Weihnachten keine freien Termine mehr. Erst zwischen Weihnachten und Neujahr wieder.  Ich weiß nicht warum aber ich habe mich dagegen entschieden und mir einen weiteren Termin bei meinem Frauenarzt geben lassen – am Samstag, den 20.12.2014.

19.12.2014

An dem Tag ging es mir seit langem wieder schlechter. Seit der 13 SSW hatte ich kaum noch Beschwerden mit Übelkeit und Erbrechen aber an dem Tag war mir wieder schlecht. Am Nachmittag habe ich über meinen Bauch gefasst und gedacht: Komisch, warum ist der wieder so weich wie vorher – ich hatte ja schon ein kleines Babybäuchlein. Abends habe ich das Abendbrot wieder nicht bei mir behalten können und ich nahm mir vor am Abend zu schallen (haben ein Gerät für zu Hause) aber da meine Männer schon geschlafen haben, wollte ich sie nicht wecken – also dann Samstag Morgen kurz vorm Arzttermin – einfach für mich zur Beruhigung.

20.12.2014

In der Nacht träumte ich, dass wenn ich einen Jungen erwarte, dieser nicht bei mir bleiben würde. Ich bin von diesem schrecklichen Traum wach geworden und habe nur gedacht, ich möchte schallen und hören das es meinem baby gut geht. Es war aber mitten in der Nacht und so musste ich warten. Ich bin in der Nacht noch dreimal wach geworden und habe gedacht, ich möchte schallen. Nachdem wir dann alle wach waren, habe ich sofort nach dem Gerät gegriffen und nach dem Baby gesucht. Es war erstaunlich ruhig im Bauch und im Bett liegend konnte ich keinen Herzschlag finden. Ich suchte bestimmt 30 Minuten und dann sind wir nach unten uns anziehen, weil wir ja einen Arzttermin hatten. Unten habe ich erneut 30 Minuten gesucht und wieder nix gefunden. Wir haben uns beruhigt und sind zum Frauenarzt gefahren. Im Auto habe ich noch gedacht das es eigentlich nicht sein kann, denn wir waren an dem Tag bei 15+1 SSW und da ist es kein Problem gewesen den Herzschlag zu finden. Wir mussten über 2 Stunden im Wartezimmer warten, dann die normale Vorsorge mit der Hebamme – wiegen, Blutdruck usw.. dann zum Ultraschall.
Ich habe das Bild gesehen, das baby ist gewachsen – aber ich konnte keine Bewegung und keinen Herzschlag mehr erkennen und wusste sofort, dass es tatsächlich gestorben ist. Der Arzt meinte: „Das sieht nicht gut aus“ und bat mich auf die Liege. Dort versuchte er Herztöne zu finden – und es war nur noch eine Linie zu sehen. Unser baby war gestorben. Wir und auch der Arzt hatte Tränen in den Augen. Das baby war vor ca. 1 -2 Tagen gestorben.

Die Geschichte im Krankenhaus möchte ich Euch hier jetzt ersparen. Ab der 12. SSW muss ein baby geboren werden und das wird durch eine künstliche Geburtseinleitung ausgelöst. Ich habe mich bei der anschließenden Curetage/ Ausschabung für eine Spinalanästhesie entschieden, da ich keine Vollnarkose wollte. Diesbezüglich kann ich Jedem die Angst nehmen, es ist nicht schmerzhaft, ich hatte das Gefühl die Kontrolle zu haben was passiert und für mich war es genau die richtige Entscheidung.

Die Zeit danach…

Im Krankenhaus habe ich nur reagiert und konnte noch nicht realisieren was eigentlich passiert ist. Am 22.12.2014 sind wir wieder nach Hause gekommen und haben dann Familie und Freunde informiert. Wir haben von vornherein die Einstellung gehabt, wir teilen die frohe Botschaft und sollte widererwartend etwas schief gehen, dann werden wir das auch offen mitteilen – es ist Natur. Natürlich haben wir nie damit gerechnet das es soweit kommen würde.

Wir haben für unseren Sohn Weihnachten gefeiert aber in den folgenden Tagen hatte ich auch Zeit über das Geschehene nachzudenken. Ich habe die Situation im Krankenhaus immer wieder erlebt, habe mir die Schuld gegeben, habe mir die Fragen gestellt warum es passiert ist, ob mein Körper versagt hat, warum ist es uns passiert – bei so einer niedrigen Wahrscheinlichkeit in der 16 SSW, habe ich irgendetwas falsch gemacht, wird es wieder passieren usw.??

Ich habe viel geweint und mit meinem Mann, Familie und Freunden geredet. Das hat mir sehr geholfen. Auch habe ich für mich die ganze Geschichte inkl. aller Details aufgeschrieben und dann habe ich symbolisch Abschied von meinem baby genommen.
In den Tagen danach habe ich mein baby im Bauch sehr vermisst und viel nachgedacht wie es weiter geht, ob ich eine erneute Schwangerschaft durchstehen kann, welche Alternativen es gibt usw.. Verdrängen wollte und konnte ich nicht, denn bei jedem Gang auf die Toilette wurde ich an das Erlebte erinnert.

Körperlich ist es so verlaufen, wie es mein Frauenarzt vorhergesagt hat. Die erste Woche hatte ich ein leichtes Unterleibziehen (ich spüre meinen Bauch durch den Kaiserschnitt noch nicht richtig, ich würde also sagen es war regelartig) und leichte Blutungen wie zum Ende der Periode. Auf die Blutung folgte ein leichter bräunlicher Ausfluss, der nach weiteren zwei Tagen ebenfalls verschwunden war.  Jetzt 2,5 Wochen nach der OP, produzieren meine Brüste noch leicht Vormilch und spannen. Außerdem schwitze ich seit dem Eingriff jede Nacht sehr stark. Das kenne ich noch von der Geburt meines Sohnes – der Körper stellt sich hormonell einfach wieder um. Die Hormone spielen sowieso noch verrückt, mal fange ich an zu weinen, dann werde ich sauer oder bekomme Angst um meinen Sohn oder Mann. Auch das kenne ich bereits und zeigt mir das mein Körper auf Hochtouren arbeitet. Vor zwei Tagen hatte ich dann stechen und ziehen im Unterleib – wahrscheinlich hat bereits ein neuer Eisprung statt gefunden. Daran kann man eigentlich nur sehen – wir sind Teil der Natur und der Körper kennt keine Trauer – er stellt sich einfach wieder auf Normalbetrieb um.

Auch wenn im Netz oft von 3 Monaten Wartezeit zu lesen ist, mein Frauenarzt hat mir schwimmen, baden und auch herzeln direkt wieder erlaubt, als die Blutung aufgehört hat. Auch auf Verhütung können wir verzichten. Der Körper regelt das alleine und wenn er bereit für eine neue Schwangerschaft ist, dann wird es passieren und wenn nicht, dann eben nicht. Bei uns ja sowieso eher unwahrscheinlich.

Morgen ist der nächste Frauenarzttermin. Eigentlich war es eine Vorsorgeuntersuchung, jetzt ist es die Nachkontrolle. Ehrlich gesagt fällt mir der Besuch sehr schwer. Bei den letzten Untersuchungen konnte ich unser baby sehen – heute weiß ich das es nix mehr zu sehen geben wird. Auf der anderen Seite ist es aber auch ein Abschluss – dass bei mir alles gut ist und wir fortan nach vorne schauen können. Vielleicht gibt es ja auch einen Befund woran es gelegen hat – auch wenn ich damit nicht

 rechne.

Psychisch geht es mir heute auch gut. Natürlich habe ich Angst das es noch mal passieren könnte. Besonders beschäftigt mich der Gedanke – die Angst das es in einem noch späteren Schwangerschaftsverlauf passieren könnte. ABER… die Natur hat sozusagen die „Notbremse“ gezogen. Das ist gut und ich selbst konnte es nicht verhindern, mein Körper hat funktioniert wie er sollte und ich habe es auch nicht durch irgendein Fehlverhalten ausgelöst. Ich habe mich auf mein baby gefreut aber es sollte nicht sein. Ich hoffe natürlich das es nicht an irgendwelchen Werten bei mir lag, die jetzt nicht kontrolliert werden wie bspw. Blutgerinnung oder Hormonen oder so. Ich vertraue nach wie vor auf meinen Körper und das es beim nächsten Mal klappen wird. Wir werden nicht aufgeben, denn ich möchte ein (oder zwei) Geschwisterchen für unseren junior und egal wie schwer der Weg auch werden wird, wir werden ihn gehen und am Ende auch schaffen. Ich habe schon eine komplikationslose Schwangerschaft geschafft und weiß das es mein Körper kann. Ich habe bereits zwei Kinder, auch wenn eins davon mein Sternchen ist.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s